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Aktuelles
Kunstsalon

Andreas Stohhammer im Gespräch mit Antonia Riederer, Vernissage am 27.01.2020 / Fotocredit © Werner Harrer

Andreas Strohhammer zur Ausstellung "Kunst im Schloss"

Betritt man die Ordinationsräumlichkeiten, springt eines sofort ins Auge: Die Farbigkeit und Buntheit der Gemälde Antonia Riederers. Ja, ihr feines Gespür für Farbharmonie manifestiert sich unmittelbar. Am Anfang stehen also die Farben, die von der Malerin wohl vorbereitet, fein abgemischt und nicht reinbunt verwendet werden. Die so gewonnene Farbpalette schafft einen eigenen Farbkosmos, der immer neu kalibriert wird. Die verwendete Technik der Acrylmalerei fordert ein zügiges Arbeiten, das kaum Möglichkeiten einer Korrektur erlaubt. Der mit breitem Pinsel hingesetzte Strich ist erkennbar und wichtiger Bestandteil der Gemälde, eben die unverkennbare Handschrift Antonia Riederers. So ist Farbauftrag mal deckend, mal transparent, ja beinahe aquarellhaft. Der Malvorgang an sich ist eine wesentliche Komponente des kreativen Prozesses, dabei weiß die Künstlerin am Anfang nicht, wann die Reise enden wird. Nach dem ersten Anlegen der Komposition sind immer wieder Pausen zum Reflektieren nötig: den kräftigen, gestischen Pinselstrichen werden beruhigende Farbflächen zur Seite gestellt. Und natürlich die schwarzen Konturen, die der Komposition Halt verleihen und die Buntheit zusätzlich steigern. Entscheidend ist auch der Moment der Fertigstellung, der Entschluss Antonia Riederers, wann das Bild fertig gemalt ist. Hier geht es um Erfahrungswerte, denn die Künstlerin weiß genau, ein Strich zu viel kann die Bildwirkung ins Negative kippen lassen.

Aber wie wirken nun die Gemälde auf uns? Vor allem die großformatigen Bilder bestechen durch ihre Plakativität, die sich in der Fernwirkung kundtut und eine starke Sogwirkung auf uns ausübt. Betrachtet man die Werke in der Nähe, offenbaren sich nochmals die Feinheiten der Farbnuancen, die sich oft mit lichtdurchfluteter, aquarellhafter Transparenz überlagern und uns immer wieder aufs Neue verblüffen.

Die Bildthemen, die Antonia Riederer bearbeitet, bilden den klassischen Kanon der Kunstgeschichte ab: Landschaften, Stillleben und Menschenbilder. Stilistisch gesehen ist ihre Malerei ein Balanceakt zwischen Figuration und Abstraktion. Sie entwickelte dabei ihren unverkennbaren Stil, der einen hohen Wiedererkennungswert hat. Antonia Riederer sagt selbst: „Mit Hilfe der Malerei wird mir das Wesentliche sichtbar gemacht. Das Gesehene oder Erdachte wird durch die Abstraktion ins Bildhafte transportiert. Somit wird der Gegenstand nicht verdrängt – er wird verwandelt. Es entwickelt sich eine eigene Formensprache, die meiner Sichtweise entspricht."

Diese Transformation ins Abstrakte bewirkt auch eine Anonymisierung des Abgebildeten. Im Vordergrund steht immer der Dialog mit Form und Farbe, und gerade deshalb, weil die Themen nicht mit gesellschaftspolitischer Kritik aufgeladen sind, entsteht eine Zeitlosigkeit. Besonders die menschlichen Antlitze bilden hier ein meditatives Gegenüber das für Entschleunigung und Standortbestimmung sorgt.

Diese Suche nach der richtigen Geschwindigkeit und die Rückeroberung der Muße ist ein Anliegen Antonia Riederers das sie gemeinsam mit Marie Ruprecht in Form eines mobilen Kunstsalons betreibt. Alle Zeit der Welt lautet diese Ausstellungsreihe, die losgelöst vom klassischen Galeriebetrieb an verschiedenen Orten gemeinsam mit Gastkünstlerinnen kuratiert wird. Auch hier in der Ordination ist die bewusste Erfahrung jenes Momentums, das sich in der Auseinandersetzung mit Entschleunigung und Muße für Farbe einstellt, ein Erlebnis, das ich ihnen allen heute Abend und in der Folge den Patienten wünsche.

Mag. Andreas Strohhammer


Eröffnung Kunstsalon Puchberg 5.10.2019 / Fotocredit © Antonia Riederer

Wie lange darf ich brauchen?
Sie haben alle Zeit der Welt. Ein Versprechen, ein Paradies.
Aber wir wissen, daran stimmt etwas nicht. Haben wir Zeit? Nein, wir haben keine Zeit. Und das ist keine Floskel, sondern eine Feststellung. Wir haben keine Zeit.


Zeit lässt sich nicht besitzen. Zeit ist.
Zeit vergeht nicht, Zeit kommt nicht. Zeit ist.
Wir sind in der Zeit. Wir haben keine Zeit.

Wir sind in der Zeit, nicht, weil ich innerhalb einer bestimmten Norm mit meiner kleinen Rede fertig sein werde, sondern weil Zeit einfach ist, wenn wir sind.
Wir haben nicht alle Zeit der Welt, wir sind alle Zeit der Welt.
Im Sein sind wir in der Zeit und in der Welt.

Insofern ist die Zeit das Biotop des Lebendigen. Und was ist das Lebendige?
Das Lebendige ist das Schöpferische, unsere Kreativität, das Hervorbringende.
Es kommt aus der Zeit, ist in der Zeit und reicht über sie hinaus, um wieder ganz in ihr zu sein.

Künstlerinnen schöpfen und schaffen im Biotop der Zeit auf besondere Weise. Sie fragen und forschen, sie trennen und verknüpfen, sie stülpen und formen neu. Sie nehmen sich die Zeit und bringen sie zum Fließen, sie vermessen die Zeit und stellen eine neue Zeitrechnung an, sie untersuchen die Zeit und erfinden sie mit ihren Mitteln neu.

Im Kunstsalon, den wir heute eröffnen, lernen Sie drei Künstlerinnen und ihren Umgang mit der aller Zeit der Welt besser kennen.

Und bevor ich sie Ihnen etwas näher vorstelle, noch ein Wort zur speziellen Form der Zeit, den diese im Mobilen Kunstsalon annimmt. Die Zeit bewegt sich mit den Werken der Künstlerinnen an einen besonderen Ort und füllt dort eine Zeitlang einen Raum, der schon darauf gewartet hat.

Dieses Mal ist es das Foyer des Bildungshauses Schloss Puchberg. Dieser Ort ist eine Wegkreuzung, an dem sich Menschen mit unterschiedlichen Zielen bewegen, um durchzugehen oder zu verweilen, um ein Stück Zeit zu durchmessen. Dieser Ort ist ein Raum, in dem innere und äußere Zeitvorgaben aufeinandertreffen, indem aber auch Zeitabläufe miteinander in Kontakt kommen.

Die Termine der Seminare, Workshops und Veranstaltungen kreuzen sich mit den persönlichen Zeitplänen und dem Zeitempfinden der Besucherinnen und Besucher. Vor den Fenstern des Foyers geht die Natur ihrem ganz eigenen Rhythmus im Zeitlauf nach, und beeinflusst mit dem wahrnehmbaren Werden und Vergehen das Zeitempfinden, derer die dabei zusehen. Aber auch das Zeitmaß des Hauses, das schon viele kommen und gehen hat sehen, ist spürbar und mischt sich in die Diskussion, ob wir denn nun alle Zeit der Welt haben oder sind, ein.

In diesem Zeitraum positioniert nun der mobile Kunstsalon sein Zeitgespräch. Er lädt, wie schon das Wort sagt, ein und er interveniert gleichzeitig im vorgefundenen Raum und der vereinbarten Zeit. Er hat etwas vor mit jenen, die hier durchkommen, sich aufhalten oder nach Anregung suchen.

Die Zeit ist das Biotop des Schöpferischen, habe ich zu Beginn gesagt, in der Zeit wächst alles, was ist.
Und was wächst hier im Kunstsalon?

Drei Künstlerinnen stellen sich mit ihren Positionen in den Fluss der Zeit und untersuchen, was es auf sich hat mit der großen Ansage „Alle Zeit der Welt“. Es sind Positionen, die sich aufeinander, auf das Thema und auf den Raum, aber auch auf die gestaltenden und betrachtenden Menschen selbst beziehen. Wir sind in der Zeit und wir sind in den Werken, die wir und andere schöpfen. Nichts ist, wie es ist, aber alles wird ununterbrochen, was es werden kann. Das ist ein Wesenszug von Zeit und vielleicht auch der Kunst.

Drei Frauen, Antonia Riederer, Marie Ruprecht und Judith P. Fischer begeben sich mit uns auf Zeitreise. Antonia Riederer und Marie Ruprecht als Salonieren, als jene, die diese spezielle Form der Kunstpräsentation und Kunstintervention erfunden haben, und ihr Gast in Puchberg, Judith P. Fischer.

Ich darf Ihnen die drei und ihre Arbeiten kurz vorstellen.

Antonia Riederer und Marie Ruprecht haben beide in Linz studiert, die eine Malerei, die andere Experimentelle Visuelle Gestaltung. Beide sind freischaffend, die eine in Prambachkirchen, die andere in Aschach. Judith P. Fischer hingegen ist in Linz geboren, hat aber in Wien Musik und Bildhauerei studiert, lebt in Wien und auf dem Land.

Antonia Riederer und Marie Ruprecht haben mit dem mobilen Kunstsalon eine Form von Freiheit erfunden. Unabhängig vom Galeriebetrieb können sie ihre Werke und die von Gästen an besonderen Orten präsentieren und sich über einen längeren Zeitraum mit einem Thema befassen. Und das sind beileibe keine kleinen Fragen, die sie aufgreifen. War es die „Natur der Dinge“ in der ersten Runde des Kunstsalsons, ist es jetzt „Alle Zeit der Welt“.

Die beiden Salonieren gehen wie auch ihre Gastkünstlerin Judith P. Fischer auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema um und beziehen sich doch sehr aufeinander.

Marie Ruprecht arbeitet eher in Serien. Sie untersucht und materialisiert Zeit in kleinen Formaten. Sensibel sucht sie, was im Außen an Spuren der Zeit flüchtig und was bleibend ist. So hat sie teile des Puchberg Schlosses, Stücke des Sternparketts im ersten Stock oder der ganz alten Ziegel der Bar im Erdgeschoss mit einer ganz eigenen, von ihr erfundenen Methode in einem Prägedruck sozusagen aus der Zeit genommen und sie in neuer Form in die Zeit hineingesetzt. Marie Ruprecht experimentiert gerne mit Techniken. Für einen Text von Jan Wagner hat sie den Wiederdruck der Schrift mit dem Abrieb eines Bleistiftspitzers  wieder sichtbar gemacht und sozusagen in die Zeit zurückgeholt. Sie verarbeitet aber auch altes Leinen – feiner Weise solches, das sie vor bald zwanzig Jahren für die Präsentation ihrer Diplomarbeit in einer Linzer Galerie gebraucht hat -  und gestaltet daraus Landschaften. Aus Knittern und Falten, die sich durch das Waschen ergeben, werden Landschaften, Gesichter ohne Menschen.
Fast meditativ verleiten sie dazu, sich in der Zeit zu verlieren.

Dagegen stehen die Malereien von Antonia Riederer wie monumentale Anfragen im Raum. Sie stellen Fragen nach dem, was die Zeit mit uns macht, weil wir so viel aus ihr machen wollen. Sie fragen, wie wir uns gegen die Zumutung der Zeitbedrängnis schützen können. Sie fragen, ob uns Zeit eint oder entzweit. Antonia Riederer konzentriert sich ganz auf die Technik, die ihr die liebste ist, weil sie dazu nicht mehr als Pinsel, Leinwand und Farbe braucht. Sie setzt die klaren Farben und die starken Konturen mit Kraft und Schwung auf die Leinwand. Köpfe und die menschliche Figur, immer schon das zentrale Thema ihrer Malerei, prägen als starke Persönlichkeiten den Raum, in dem sie sind. Eine besonders schöne Zeitbrücke finde ich in den Arbeiten von Antonia Riederer hier im Bildungshaus Puchberg darin, dass die Köpfe in der Form mit den Arbeiten von Lydia Roppolt, einen Stock tiefer in der Kapelle ein Gespräch über die Zeit hinweg aufnehmen, und die Farben der Bilder eines mit den Glasarbeiten von Rudolf Kolbitsch im dahinterliegenden Festsaal des Hauses.

Ganz andere Korrespondenzen nehmen die Arbeiten von Judith P. Fischer auf. Es sind Skulpturen, die am Zwiegespräch der beiden Salonieren auf ganz feine Weise teilnehmen. In den Arbeiten von Judith Fischer wird die Materialität von Zeit auf eine ganz andere Art umgesetzt und spürbar. Da sind etwa die Pillows, die Pölster, die man als Zeitpölster interpretieren kann. Sie wurden tatsächlich schon benützt und tragen eine Zeitgeschichte in sich. Sie haben in der neuen Form aber schon ein fast ewiges Leben, sind herausgenommen aus dem schnellen Fluss der genutzten Zeit in das langsame Fließen der ungenützten Zeit. Judith Fischer schafft aus einem Fingerprint ein Labyrinth aus Metall, sie gestaltet Loops, Schleifen, die so etwas wie die DNA der Zeit sein können, endlos und doch begrenzt. Im Tor zeigt sie die Möglichkeit, etwas aufgehen und schließen zu lassen, den Anfang und das Ende als Durchgangsraum erschienen zu lassen. Boules und Evolas, Kugeln und große eckige Eier, wenn man so will, beanspruchen ihren Raum als ob sie Gebrauchsgegenstände wären, die aber doch mit ihrer klaren Identität einen ganz spezifischen Raum für sich beanspruchen. Judith Fischer verbindet Skulptur und Zeichnung, sie experimentiert mit verschiedenen  Materialien, konstruiert exakt und gibt doch auch dem Zufall eine Chance, sich in die Schöpfung einzubringen.
Gehen wir nicht auch so mit unserer Zeit und mit der Zeit, in der wir sind, um?

Spielt es eine Rolle, dass drei Frauen diesen Kunstsalon gestaltet und eine vierte ihn heute eröffnet?
Es ist immer riskant, spezifisch Weibliches ausmachen oder benennen zu wollen. Aber doch ist es so, dass dem weibliche Körper in einer besonderen Art ein Maß der Zeit eingeschrieben ist. Es ist das Maß des Zyklus, des Wiederkehrenden, des Ansteigens und Abebbens, es auch das Maß der neun Monate, die eine Schwangerschaft dauert. In diesen Zyklen drückt sich ein besonderes Erleben aus, es ist die Zeit der Bereitschaft für Neues, für Schöpferisches, für Leben, das aus dem Körper und aus der Zeit selbst kommt und entsteht.

Hatte ich nun alle Zeit der Welt oder waren wir gemeinsam in der Zeit und in der Welt, im Flüchtigen, im Fließenden und im Bleibenden?

Am Schluss meiner einleitenden Worte möchte ich noch von einer sehr alten Frau erzählen. Vor vielen Jahren habe ich Warda Bleser-Bircher interviewt. Sie war damals 101 Jahre alt, eine Ingenieurin, die besonders gerne gemalt und gezeichnet hat. Trotz der Vielzahl der Jahre hatte sie das Gefühl, das Leben sei kurz, entsetzlich kurz, wie sie das formulierte. Sie war betrübt, in ihrem Leben ihren Lieben gegenüber viel versäumt zu haben, weil man immer wieder etwas auf später verschiebt und es dann zu schnell später ist. Mit der Zeit, meinte sie, lohne sich aber kein Wettlauf. Im Gegenteil. Mir werden ihre Worte immer im Gedächtnis bleiben. Sie sagte: „Man sollte immer in so einer Stimmung sein, als lebe man mitten in der Zeit. Sie trägt einen fort und man ist immer in der Zeit zu Hause.“

Ich wünsche dem Mobilen Kunstsalon und seinen Künstlerinnen eine erfüllte Zeit und Ihnen nun, da ich zu reden aufhöre, alle Zeit der Welt.

Dr.in Christine Haiden
Journalistin, Buchautorin, Chefredakteurin und Dozentin


Lydia Wassner-Hauser und Antonia Riederer
Ausstellung Stift Seitenstetten, 2019 / Fotocredit © Antonia Riederer

Eine moderne Malerin die mit beiden Beinen fest am Boden steht, die Familie und Beruf vereint und noch dazu sehr engagiert ist im öffentlichen Ausstellungsbereich.

„Unser Lebensraum ist komplex, vielschichtig und vieldeutig. Die Suche nach einem Ordnungssystem verschafft Überblick.“ – so die Malerin.
Eine Aussage, die man sowohl auf Ihre Arbeit als auch auf Ihr Leben übertragen kann.
Ihre Arbeit und Ihre Person bestechen  durch eine unglaubliche Authentizität.
Beeindruckend- und das fällt bei allen Werken von Antonia Riederer auf- ist ihr persönlicher Stil. Eine Symbiose von Persönlichkeit und Werk.
Die Künstlerin setzt oft nicht nur Farbflächen nebeneinander und versucht die beiden Farben in Einklang zu bringen, nein, sie legt sozusagen eine weitere Ebene über das Bild- über die Komposition und vereint und/oder harmonisiert mittels einer Kontur- meist in dunkler Farbe oder sogar Schwarz die Farbflächen.
Sie erzeugt so zusätzlichen Raum und bringt Klarheit und Entschlossenheit zum Ausdruck.
Sie schreibt: „Die Kontur ist dabei verbindendes Element und somit ein wichtiger Teil der Komposition.“

Oftmals spürt man gleichzeitig eine Leichtigkeit der Komposition. Diese vermeintliche Leichtigkeit wird einem als Künstlerin aber nicht immer in die Wiege gelegt. Nein- die muss man sich erarbeiten!
Betrachtet man das Werk und den Lebenslauf von Antonia Riederer so sieht man die vielen Arbeitsschritte, die zuvor getan werden müssen. Jahrelanges Akt und Naturstudium, Farbenlehre, studieren an Werken verschiedenster Künstler und oftmals erarbeiten Bildkompositionen.
Die Leichtigkeit, die in manchen Werken ganz klar spürbar ist, wird durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema und der Bildfläche erreicht.
Die Themen der Künstlerin sind klassischer Natur, so stehen Stillleben, Landschaft und vor allem der menschliche Körper im Mittelpunkt. Auch Kopfstudien tauchen immer wieder auf.
Antonias Werke entstehen oft in Serien. Sie widmet sich einem Thema und arbeitet daran. Zu einer Thematik können verschiedene Techniken genannt werden. So nähert sich Antonia dem Thema oft zeichnerisch, manchmal auch mit Hochdrucken, z. B Linolschnitt und aber vor allem mit der Farbe.

„Meine Arbeiten thematisieren meinen unmittelbaren Lebensraum. Diese Unmittelbarkeit fordert Klarheit, die erforscht, durchsucht, aufgestöbert und erfahren werden will“... so Antonia. Und wie gelingt das besser, als mit verschiedensten Techniken und mit einer fast kindlichen Neugierde.

Mag. art. Lydia Wassner-Hauser
Seitenstetten, 29. Sept. 2019


Ausstellung „Vertraute Dinge, fremde Dinge“, Galerie FORUM, April 2019 / Fotocredit © Marie Ruprecht

Schon der Titel „Vertraute Dinge, fremde Dinge“ lässt erahnen, dass dem Menschen die Welt in ihrer Gesamtheit, in dem von ihm konsumierten Ausschnitt teilweise oder gar zum allergrößten Teil fremd bleibt. Wie wir die Dinge schauen, ist abhängig von unserer Befindlichkeit und Verfasstheit.


In ihrer Ausstellungsankündigung zitieren die beiden Künstlerinnen Julia Reuter:
„Dinge verraten etwas über Gesellschaften und ihre Mitglieder. Sie repräsentieren Wissen und Geschichte(n), verdichten Identitätserfahrungen und markieren sowohl Zugehörigkeiten wie auch Abgrenzungen. Dinge weisen über sich hinaus, sie tragen Bedeutungen in sich, die im Umgang mit ihnen zum Leben erweckt werden."

So unterschiedlich, wie Menschen auf Dinge reagieren, ihr Wesen erleben oder ihre Form zu gebrauchen vermögen, so konträr ist auch die künstlerische Annäherung, Sichtbarmachung, Umsetzung, Transformierung der beiden Künstlerinnen.

Antonia Riederer lebt und arbeitet in Prambachkirchen.
Studium der Malerei und Grafik an der Kunstuniversität Linz bei Eric Ess, Ursula Hübner und Dietmar Brehm.
Zahlreiche Studienreisen führten sie nach Italien, Frankreich, USA, England, Mexiko, Jordanien, Belgien, Schweiz, Spanien und Australien.
Die Künstlerin ist auch als Kuratorin und Referentin tätig.

Antonia Riederer: „Mit Hilfe der Malerei wird das mir Wesentliche sichtbar gemacht.
Das Gesehene oder Erdachte wird durch die Abstraktion ins Bildhafte transportiert.
Somit wird der Gegenstand nicht verdrängt – er wird verwandelt.
Es entwickelt sich eine eigene Formensprache, die meiner Sichtweise entspricht.“

Marie Ruprecht-Wimmer lebt und arbeitet in Aschach an der Donau. Sie studierte Experimentelle Visuelle Gestaltung am Institut für Bildende Kunst und Kulturwissenschaften an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und arbeitet seit 1994 in den Bereichen Fotografie, Video, Mixed Media, computerbasierte Techniken sowie Zeichnung, Malerei und Raumbezogene Videoinstallation.  
Zitat Dr. Elisabeth Mayr-Kern: „Die Kunst von Marie Ruprecht zeigt uns, dass man einen Eindruck vom „Großen Ganzen“ auch dann gewinnt, wenn man seine Aufmerksamkeit auf das kleine Detail richtet. Was wir da lernen können: der Ausschnitt, auf den wir schauen, ist niemals der einzig mögliche.“

Zahlreiche Redewendungen und Sprichwörter vermitteln, wie sich die Dingwelt mit unserem Leben zu verknüpfen weiß, wie die den Dingen angedichtete Wesenheit uns zu beleben vermag:
den Dingen auf den Grund gehen - den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen - der Dinge harren, die da kommen - ein Ding der Unmöglichkeit sein - guter Dinge sein - nach Lage der Dinge - nicht mit rechten Dingen zugehen - über den Dingen stehen - unverrichteter Dinge - vor allen Dingen - der Lauf der Dinge - Gut Ding braucht Weil`. - Aller guten Dinge sind drei. - Jedes Ding hat zwei Seiten.
Hingegen behauptet ein möglicherweise aus China stammender Aphorismus: „Jedes Ding hat drei Seiten: eine, die du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen.“
Karl Valentin bringt eine überaus menschliche Variante ins Spiel: „Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische.“

Ludwig Wittgenstein: „Wir benennen die Dinge und können nun über sie reden. Uns in der Rede auf sie beziehen.“
So machen wir sie uns dienlich, gefügig, untertan, auch wenn eigentlich wir abhängig sind von ihrer Zuwendung.

Wenn wir die Dinge als unser Gegenüber erkennen, sie mit ihrem eigentlichen Namen rufen, vermögen wir inmitten ihrer Welt zu leben und uns in ihnen zu erfinden.
Sie machen uns mit unserem Leben vertraut, selbst wenn dann und wann „Ding“ im Stammeln als Ersatz- und Hilfswort „de Dings“ oder „des Dings da“ für möglicherweise Unnennbares, noch Unbenanntes, augenblicklich begrifflich nicht in den Sinn-kommen- wollendes, für Entfallenes oder Vergessenes über die Lippen stolpert.

Was hinterlassen die Dinge auf, in, zwischen uns? Berühren, beeindrucken, erleichtern, beschweren, beleben sie oder bewegen sie gar etwas? Zweifellos können wir nur leben „Im Angesicht der Dinge“, so der Titel von Jutta Kaisers Buch zu Adalbert Stifter.
Von dieser Lebensnotwendigkeit sprechen auch die hier ausgestellten Arbeiten. Mehr noch: Heute erleben wir uns selbst im Ding-sein, bedenken und verhandeln unsere eigene Dinglichkeit – in den Spiegeln der Inszenierung.

„Alles dasjenige“, so Jutta Kayser, „das körperlich oder geistig Gestalt annimmt, kann von Stifter als Ding bezeichnet werden. Es wird zum Synonym für das Daseiende überhaupt.“

Jeder Gedanke, jedes Wort, jede Tat kommt an im Ding – und wird verdinglicht.
Macht das Vertraute blind, blind für das Fremde?

Vor allem in Literatur und Bildender Kunst wird einerseits ihre für uns verfügbare Identität bestimmt, andererseits befreien sich die Dinge in der künstlerischen Auseinandersetzung von der ihnen zugewiesenen alltäglichen Notwendigkeit und Bedeutsamkeit, von tradierten Beziehungsmustern, heimatlicher Bedingt- und Verbundenheit sowie systematischer Weltverhaftung.

Was fangen die Dinge, und was stellt Kunst mit uns an?

Joseph Nemeth, Bildender Künstler und Musiker aus Wels, 1940–1998: „…Kunst ist ja nur geistig wahrnehmbar, sie ist immer gerichtet an den Geist und an sonst gar nichts, d. h. die Dinge, auch die Kunstwerke an und für sich, sind äußerst langweilig…“

Der Schriftsteller Adalbert Stifter sieht etwas „Unnennbares“ in den Dingen. Unablässiges Bemühen ist notwendig es zu ergreifen und ihre eigentliche Wahrheit zu erschließen.
Ausstellungen wie diese machen uns bereit für herausfordernde Beziehungen.                             Langeweile wird dabei keine aufkommen.

Adalbert Stifter, „Nachsommer“: „Wenn wir nur in uns selber in Ordnung wären, dann würden wir viel mehr Freude an den Dingen dieser Erde haben. (…) Ich hörte selber oft nur mein eigenes Innere reden, nicht die Dinge um mich.“
An anderer Stelle vertritt der Schriftsteller die Meinung, dass der Mensch, der das Leben und seine Erscheinungen auf sich wirken lässt, nach und nach  „gerecht wird“ für die Vorkommnisse des Lebens.

Wolfgang Maria Reiter, Galerie Forum Wels, 2019

Wolfgang Maria Reiter, Wiltrud Katharina Hackl, Antonia Riederer und Marie Ruprecht / Fotocredit © Lydia Buchegger

 

Wiltrud Katharina Hackl zur Ausstellung "Vertraute Dinge. Fremde Dinge" von Marie Ruprecht und Antonia Riederer

Der Titel, den die beiden Künstlerinnen ihrer Ausstellung gegeben haben, könnte treffender nicht sein: bedenken wir, dass das deutsche Wort Ding bzw. das englische Wort Thing etymologisch einen Ort, an dem alle zusammenkommen, einen Ort der Versammlung bezeichnet – zu erkennen, wie u.a. Bruno Latour ausführt, an nordischen und angelsächsischen Worten wie Storting für das Parlament in Norwegen oder Althing für den isländischen Kongress. Ein Ding ist also ursprünglich ein Ort, an dem Sachverhalte und Gesetze verhandelt werden, an dem auch gestritten und diskutiert wird, ein Ort, an dem sich Gruppen nicht versammeln, weil sie einer Meinung, sondern weil sie unterschiedlicher Meinung wären. Insofern ist die Distinktion zwischen vertraut und fremd schon im Titel dieser Ausstellung und die Bandbreite, die sich darin eröffnet, durchaus sinnvoll, vor allem aber ist sie spannend, weil diskursiv.

Dinge sind strittig, sie fordern uns heraus, sie im wahrsten Sinn des Wortes zu begreifen und kaum, dass wir sie mit unserer Geschichte, mit unserer Erinnerung aufgeladen haben, machen sie es uns schwer uns ihrer zu entledigen. Gleichzeitig – und das wird in dieser Ausstellung ebenfalls wunderbar deutlich – sind es die Dinge, die uns am Leben halten können, die uns Heimat sind, auch und gerade, wenn wir sie vermissen.

Wir wollen uns auf die Dinge verlassen.

Eine Haltung, die im letzten Raum zu entdecken ist, im  dinglosen Raum, der so voller Sehnsucht und Hoffnung ist, danach, am Horizont Dinge zu erhaschen, Fata Morganen, seien es auch bloß Täuschungen, die würden uns – in diesem Zwischenraum, also noch nicht ganz weg, noch nicht einmal auf dem Weg und schon gar keine Spur von anderswo angekommen  - doch reichen, um ein Gefühl von Festhalten, von Dasein, womöglich von Heimat entwickeln zu können. Aber – da ist nichts, außer Täuschungen und auch Ent-Täuschungen, wie die Künstlerinnen in der Erzählung Siegfried Kracauers „Russische Zigaretten“ verdeutlichen.

Ein Nebenaspekt in dieser Geschichte baut sich – so finde ich – in dieser Ausstellung von Marie Ruprecht und Antonia Riederer zu einem roten Faden aus: es ist eine Form von Gleichzeitigkeit, die durch Dinge, besser gesagt durch ihre Schatten, ihren Abdruck, ihre trügerische Allgemeingültigkeit und durch ihre Abwesenheit ermöglicht wird. Denn haptisch präsent sind diese Dinge in dieser Ausstellung kein einziges Mal. Es gibt keinen Löffel, keine Vase, keine Farbtube hier – es gibt nur ihre Repräsentanz durch künstlerische Repräsentation.

Im dinglosen Raum erkennen Sie, wie Menschen gleichzeitig hier und bereits auf der Flucht sind und wie rasch es sich ereignen kann, dass diese anderen Menschen eines Tages wir selbst sein können. Durch den sehnsuchtsvollen Blick auf einen dinglosen Horizont, den uns die Künstlerinnen hier anbieten, der Neues verspricht, aber auch so vieles abbricht, überbrücken wir diesen Zwischenraum zwischen gestern und morgen, zwischen uns und den anderen, zwischen hier und auf der Flucht.

Hier in diesem Raum hingegen verdichtet sich der Blick, nehmen Dinge Gestalt an – die Dinge in den Händen von übergroßen Figuren in Antonia Riederers Bildern etwa nehmen eine zentrale Rolle ein, und verlangen nach Betrachtung – gleichzeitig vollzieht die Künstlerin auch hier – wie die Kunsthistorikerin Isabella Minichmayer schon beschrieben hat: „(…) eine Anonymisierung der Welt (…), aus der ein Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Dauerhaftigkeit spricht.“

Dadurch, so Riederer stehen die hier gezeigten Objekte – eine Blume, ein Buch etc. für etwas, das für uns alle einmal eine Bedeutung hatte oder hat. Dinge, die wir gerne auf ein Podest stellen möchten, völlig unabhängig von ihrem realen, bezifferbaren Wert. Der Witz gerade an diesen Bildern, die im Ganzen ein bisschen distanziert oder beiläufig scheinen, ist die fast absurde Größe und das Format, mit denen die Künstlerin den Sujets etwas sakral Anmutendes, jedenfalls etwas sehr Bedeutsames, an Kirchenfenster erinnernd verleiht.

Auch Marie Ruprechts Arbeiten hier sind als eine Umdeutung interpretierbar: Landschaften und Horizonte – Fenster in die Welt – verschmelzen zu einer Einheit, stehen für sich selbst, sind sich selbst genug. Die Natur ist sich hier in diesen Bildern selbst genug – und erhalten gerade durch diese selbstbewusste Haltung, die keiner Hinterfragung bedarf, etwas Zaubrisches.

Wir nähern uns den Dingen in ihrer eigentlichen Form – im Raum nebenan stoßen Sie auf ein Mobile mit den Arbeiten Antonia Riederers – doch Achtung – es sind einige Fallen dabei - Spiegel verdeutlichen einerseits den Faktor Zeit, mit dem wir uns selbst- die Repräsentanz unserer selbst – betrachten; andererseits verweist die Künstlerin auf das sich In-bezug-setzen mit jeder Form von Ding – ein Ding quasi immer als eine Repräsentanz unserer selbst: jeder Spiegel ist auch ein Rahmen und jeder Rahmen kann zum Spiegel werden.

Mit den Prägedrucken von Marie Ruprecht daneben führt uns die Künstlerin wieder näher an die Dinge heran und errichtet doch – wie schon in den Leinenbildern hier – wieder etwas geheimnisvoll Anmutendes, Rätselhaftes rund um sie – ganz so wie es auch das verfitzte Dinge Odradek umgibt, in Franz Kafkas Geschichte. Ein Ding, das ein Eigenleben entwickelt bzw. selbst zum Leben erwacht, dessen Funktionalität schwer zu entschlüsseln ist. Sie finden den Odradek übrigens auch hier in dieser Ausstellung wieder, wie er sich als Löffel ausgibt und sich zu einem Bild von Antonia Riederer gesellt.

Diese ihnen in dieser Ausstellung zugeschriebene Fähigkeit, sich zu verändern, sich aufzulösen, gleichzeitig an unterschiedlichen Orten zu sein, uns sowohl immaterielle Erinnerung, Traum, Sehnsucht als auch Angreifbares zu sein, das an unserer Seite bleibt – verleiht den Dingen etwas Lebendiges, etwas Eigenständiges, das wir als Menschen, die wir uns ja nur zu oft als die einzigen fühlenden, denkenden, sprechenden und dadurch mit Rechten ausgestatteten Lebewesen anerkennen, gerne übersehen oder negiert. Hier wird ein weiterer Zugang erkennbar in dieser Ausstellung, der beide Künstlerinnen vereint – die Fähigkeit zu erkennen, dass die vielleicht auf den ersten Blick unscheinbaren Dinge jene sind, die uns im Leben begleiten, erinnern, wichtig sind, auch retten können. Und dass sie es deshalb wert sind, sich mit ihnen mehr als sonst üblich in Bezug zu setzen. Das vollführt Marie Ruprecht mit ihrer Serie „Die Welt der Dinge“, auf denen sie mit einem Pinselstrich Dinge – und zwar ohne Blick von ihnen abzuwenden – auf Papier bringt, die sich zum Zeitpunkt des Arbeitens in unmittelbarer Nähe befanden: eine Schere, Werkzeuge, ein Schreibtisch etc. Die Künstlerin selbst beschreibt es als eine äußerst intensive Übung, eine Zen Übung fast, mit diesen Dingen in einen Dialog zu treten, sie zu erkennen, und ihre Seele zu Papier zu bringen. Und mit diesem sehr schönen Gedanken möchte ich schließen – sich einzulassen auf die Arbeiten hier in dieser Ausstellung und ein Stück Seele zu erkennen, und wenn es auch nur die eigene sein mag, die sich spiegelt.

Mag.a Wiltrud Katharina Hackl


Isabella Minichmair, Antonia Riederer und Karin Eidenberger / Fotocredit © Alexander Schmid

Isabella S. Minichmair zur Ausstellung „ERLEBBARES“,

Galerie im Lebzelterhaus/Vöklabruck 2018

In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit den Arbeiten von Mag. Antonia Riederer beschäftigt. Ich habe mir aus Einladungen, Folder und Katalogen eine Antonia Riederer Miniatur-Ausstellung zusammengestellt. Immerhin blicken wir auf eine 17 jährige, intensive Ausstellungstätigkeit der Künstlerin, und über die Jahre haben sich dementsprechend einige Materialien und Dokumente angesammelt. Eric Ess und Ursula Hübner waren unsere gemeinsamen Professoren an der Kunstuniversität Linz und wir haben 2001 gemeinsam in den Räumlichkeiten der Tabakfabrik diplomiert. Wir teilen eine Ausbildungsgeschichte und mit dieser Gemeinsamkeit im Gepäck intensiv auf die Arbeiten der Künstlerin zu blicken, war für mich sehr spannend und sehr inspirierend!

Über die Jahre ist mir eines ihrer Diplombilder stark in Erinnerung geblieben. Im Grunde hat Antonia Riederer schon damals die Weichen für ihre heutige Arbeit gestellt. In ihrer Malerei und speziell in dieser Ausstellung geht es um "Erlebbares". "Wirklichkeiten" hieß beispielsweise ihre Ausstellung im Bildungshaus Schloss Puchber 2017. "Über die Natur der Dinge" verhandeln Antonia Riederer und Marie Ruprecht-Wimmer in ihrem sehr erfolgreichen und bereichernden Ausstellungsprojekt "Kunstsalon". Immer wird das direkte Umfeld befragt, durchforstet und beforscht. Als Mensch, als Künstlerin geht es ihr um Direktheit, Unmittelbarkeit, um Spannungen, aber auch um Ruhe. Es geht um das, was uns menschlich berührt, um die Beziehungen der Menschen und Dinge zueinander und ihr Verhältnis zur Welt.

Die Arbeiten Riederers kreisen im Wesentlichen um zwei Aspekte der bildenden Kunst – der formalen Gewichtung und um die Bedeutung, die ein Bild  als Kommunikationsmedium transportieren kann. Bei Eric Ess, so behauupte ich zusammenfassend, hat die Malerin gelernt, dass jede Bildfläche, jedes bildhafte Medium, eine kleine Welt für sich darstellt, die auf seine Teile reduziert, aus Linien und Farbflächen besteht. Der Kommunikationswert, also die Bedeutung, die ausgelesen werden kann, hängt davon ab, wie diese Linien und Flächen zueinander geordnet sind und wie sie in der Fläche gewichtet sind. Anders ausgedrückt: Je deutlicher die Gestalt, desto bedeutungsvoller und bedeutungvielfältiger kann ein Bild wirken.

Das führt uns gleich zu einer weiteren Besonderheit. Antonia Riederer spielt mit unterschiedlichen Sujets – Stilleben, Landschaften, Portraits. Das besondere ist nun, dass sie die einzelnen Sujets nicht unterschiedlich, entsprechend ihrer äußerlichen Erscheinung, behandelt, sondern mit einer formalen Klammer zusammenfasst. Die Künstlerin hat ein formales Spannungspaar für ihre Bilder entwickelt, welches sie für alle ihre Sujets anwendet. Sie verwendet dunkle bis schwarze Linien, die sie stationären, klar kontrastierten Farbflächen gegenüberstellt. Es entsteht eine Dynamik zwischen den formalen Mitteln, die die Vorstellungsgabe der Betrachterinnen kräftig in Bewegung setzt. Die Künstlerin erschafft so Lebendigkeit und gleichsam Ruhe, Konzentration auf das Wesentliche und Klarheit.

Doch für die Malerin ist ein Sujets nicht nur einfach das, was eben gerade in greifbarer Nähe ist. Ich denke hier hat dich auch ein Stück weit die Lehre von Ursula Hübner beeinflusst. Die Kunst soll wie das Leben aussehen, so das Credo der späten 60iger und frühen 1970iger Jahre. Kunst ist nicht ausserhalb des Lebens angesiedelt. So sind die unterschiedlichen Gegenstände und unser Umfeld mit Bedeutung und Geschichte aufgeladen. Gegenstände haben durch den alltäglichen Gebrauch im sozialen Kontext eine Nutzungs- und Produktionsgeschichte. Sie transportieren auch persönliche Erinnerungen und unser Blick über Landschaften folgt unserer abendländischen Bildtradition, ob wir das nun wollen oder nicht.

Dennoch oder gerade deshalb gibt die Malerin in einem Gespräch vom 30.04.2016 zu verstehen, dass sie den Kommunikationswert der bildenden Kunst ein Stück weit den Betrachterinnen überlässt.

"Die Spannung der Gegenstände zueinander interessieren mich. Das, was auf dem Bild passiert. Es muss keine spezielle Bildaussage mit einer Wahnsinns-Geschichte dahninter sein."

Es geht Antonia Riederer also weniger ums Geschichtenerzählen, auch nicht um eine Selbstdarstellung oder Inszenierung, vielmehr hat der Betrachter, die Betrachterin den Freiraum mit seiner eigenen Geschichte in Kontakt zu treten.Und das ist für mich das Erlebare, die Unmittelbarkeit einer Kunsterfahrung, die ich so sehr wertschätze. Wenn Bilder eine Reise zu uns selbst und unseren eigenen Lebenserfahrungen ermöglichen. Dann sprechen wir auch von der Bilderfahrung im eigentlichen Sinne. Das Bildhafte ist dann Kommunikation mit der Welt und einem Gegenüber, das vertraut erscheint. Und damit triffst du punktgenau den Puls und erfühlst die Bedürfnisse unserer Zeit.

Dr. Isabella S. Minichmair, bildende Künstlerin und Kunstphilosophin


Wiltrud Katharina Hackl, Gedanken zur Eröffnung der Ausstellung „Transformation in Farbe“

14. Februar 2017, Linz AG Kunstforum

Was sehen Sie in den Bildern von Antonia Riederer – was fällt Ihnen zuallererst auf? Sehen Sie zuerst den sehr kräftigen schwarzen Trennstrich, mit dem die Künstlerin die Farbflächen voneinander fern hält oder sehen Sie zuerst diese Farbflächen in Beziehung zueinander gesetzt? Riederer spielt in jedem Fall direkt mit unserer erlernten Blickrichtung, und erzeugt gleichzeitig ein sehr harmonisches, ausgeglichenes Bild - das eine ist ohne das andere nicht möglich, der eine Zustand würde ohne den anderen nicht existieren, nicht sichtbar sein. Mir ist, als ich die Bilder zuerst gesehen habe, diese sehr bestimmende Pinselführung aufgefallen, dieser schwarze, kräftige Strich. Ein sehr entschlossener Strich – und, das bestätigt die Künstlerin auch im Gespräch, hier wird auch ein Mut sichtbar, das zu dürfen, was man da tut. Eine Freiheit, zu malen, was sie will, keinem Klischee zu entsprechen und sich keine Gedanken zu machen, ob die Art, wie sie malt, nun der Zeit oder gängigen Attributen entspricht. Antonia Riederer malt sehr körperlich, sie gibt ihren Farbflächen Kontur, gibt ihnen eine Linie, um zu bestimmen, was in den Bildern notwendig ist, wovon es gilt, die Farbflächen in den Bildern und auch sich selbst möglicherweise abzugrenzen. Mit diesen Abgrenzungen schafft sie allerdings auch etwas Verbindendes zwischen den Farbflächen. Übergangsräume, von einem Zustand zum anderen – hier spielt sich unglaublich viel ab - und genauso, für mein Empfinden, ist es mit diesen dicken, schwarzen Linien. Vielleicht auch im Bewusstsein über diese Aufgeladenheit transitorischer Räume sucht Antonia Riederer ein Ordnungssystem in ihrer Malerei zu etablieren. Riederer nimmt Bezug auf ihren unmittelbaren Lebensumraum, der durch unterschiedliche Gegebenheit sehr lebendig ist, sehr vielschichtig und vieldeutig ist. Die Sehnsucht nach Ordnung drängt sich da geradezu auf, den „Kopf frei kriegen,“ einen Überblick schaffen. Johann Wolfgang von Goethe hat sich ja auch als Naturwissenschafter hervorgetan, und hat unter anderem eine eigene Farbenlehre entworfen. Dabei ging es ihm auch um Ordnung, „Wir sind genötigt zu sondern, zu unterscheiden und wieder zusammenzustellen, wodurch zuletzt eine Ordnung entsteht, die sich mit mehr oder weniger Zufriedenheit überblicken lässt.“ schreibt er, und spricht von Urphänomenen, mit denen er  - verkürzt ausgedrückt - nichts anderes meint als alles Lebendige in seiner Umgebung, Durch die Wahrnehmung und Gestaltung dieser Urphänomene sucht er Erkenntnisgewinn, nachvollziehbar für uns alle denke ich – wahrnehmen, ordnen, gestalten, verarbeiten, neu betrachten – Antonia Riederer fügt dem noch einen anderen Begriff hinzu – sie spricht von Filtern – Einflüsse, meint sie, müssen gefiltert und damit reduziert werden, auch das ist den Bildern anzusehen - das gelungene Bemühen, das Gesehene, die Welt also in den Arbeiten klar und strukturiert neu zu formulieren. (Das tut sie im Übrigen auch dort, wo keine Farbe in den Bildern zu sehen ist, die nach Ordnung ruft: Auch in den Arbeiten, auf denen Köpfe in schwarz weiß zu entdecken sind, geht es um eine neue Formfindung, ein neues Kontextualisieren, um Klarheit –der Kopf ist das am meisten präsente Körperteil, fast immer nackt sozusagen und meistens exponiert, ist somit unser öffentlichstes Teil – Antonia Riederer löst diesen Körperteil los vom Rest des Körpers und setzt ihn in einen neuen Kontext, wenn man so möchte wiederum eine Abgrenzung, eine Distanzfindung, die einen breiteren Überblick ermöglicht.)

Antonia Riederer ist eine sehr leidenschaftliche Malerin, eine überzeugte Malerin, der, so sagt sie ganz bewusst, die Malerei als Technik ausreicht. Und diese Überzeugung, die Passion, diese Entschlossenheit ist in ihren Bildern nachvollziehbar.

Mag.a Wiltrud Katherina Hackl

 

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Marlene Gölz zu den Arbeiten von Antonia Riederer

Antonia Riederer hat an der Kunstuniversität Linz bei Eric Ess und Ursula Hübner Malerei studiert. Sie ist stark geprägt von der klassischen Moderne und hat früh ihre Bildthemen entwickelt. Riederers Werke sind immer gegenständlich wenn auch zuweilen stark abstrahiert. Das zeichnerische Element ist in Form kräftiger Konturenführung ebenso präsent wie das malerische. Unverwechselbar sind ihre Farbkompositionen, mittels der sie in Flächen gegliederte Formen räumlich positioniert und für das Auge erstaunliche dreidimensionale Resultate erzielt. Während einzelne Objekte, Figuren und Köpfe für Riederer primär als Form, weniger aufgrund oberflächlicher Details interessant zu sein scheinen, sind vor allem ihre Landschaften starke Stimmungsträger. Auch hier transformiert sie Spezielles in Allgemeines und so zieht sich bei ihr über alle Gattungen eine Anonymisierung der Welt, aus der ein Anspruch auf Allgemeingültigkeit und Dauerhaftigkeit spricht.

Geordnete Spannungen 

Ihre Köpfe sind selten Porträts, ihre Figuren keine konkreten Personen, ihre Landschaften meist erdacht und ihre Stillleben zeigen Objekte aber nie Produkte. Die Bildtitel, die erzählen könnten, tun es nicht. Warum auch. Landschaft – Stillleben – Kopf – Figur, das genügt. Hier einmal „Baumkonstruktion“, da eine „Stehende“, dort eine „Sitzende“ und vielleicht „Drei Gefäße“. Viel mehr an Information wird der Betrachter nicht erhalten. Warum auch, Antonia Riederer ist Malerin. Und im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Künstlern eine, die das Bild an sich und damit die Gattung Malerei als vollkommen eigenständig betrachtet. Für sie braucht es nicht den genialen Einfall, die gesellschaftsverändernde Idee, kein Infragestellen, kein Ausborgen von Bedeutung, keine Demonstration von Bildung. Riederer ist Malerin, keine Behauptungskünstlerin, und es liegt in ihrem Selbstverständnis, dass das im heutigen Kunstdiskurs oftmals verachtete Handwerk die Voraussetzung für ihr Werk darstellt. Bestimmte Bildkonstruktionen und Farbbezüge sind selten erdacht, sie entstehen im Malen selbst und das technische Können öffnet ihr den Anfang. Das, was so locker hingeworfen scheint, ist das Resultat einer klassischen Ausbildung und jahrelangen Auseinandersetzung. Locker, ja, aber nichts ist zufällig in diesen Bildern, geschweige denn unfertig. Nicht das Skizzenhafte hier, nicht das türkise Dreieck dort, und wer ahnt schon die Überwindung, die es Riederer laut eigenem Bekunden kostete, die Objekte ihres jüngsten Stilllebens auf rosa Grund zu setzen? Letztlich sind Mittel und Motive so stimmig miteinander verbunden, dass die Frage nach dem Handwerk in den Hintergrund tritt und sich für den Betrachter nicht wirklich stellt. Harmlos mag mancher die Bildinhalte nennen (ach, eine Schüssel), doch Riederers Bilder wollen nicht aufrühren, kein Wissen vermitteln und das Schöne ist, sie setzen auch keines voraus. Ein paar Grundlagen der Kunstgeschichte vielleicht, Picasso, Matisse, Modigliani, Beckmann, auch Malevich und Mondrian, damit tut man sich leichter, aber viel nötiger als diese ohnehin im kollektiven Bildgedächtnis gespeicherte Kenntnis ist etwas anderes und das ist mehr als man oft glaubt ¬– die Bereitschaft, die Bilder zu betrachten. Den Linien zu folgen, den Raum wahrzunehmen, sich dann vielleicht zu fragen wo die  Schatten geblieben sein mögen und wie eine Spannung zwischen Objekten zustande kommt, die hintereinander stehen. Der eine Kopf, ein wenig anders als die anderen, was macht ihn aus? Seine leichte Neigung, wie lebendig? Diese Stillleben, kann man sie gedanklich erfassen, in den Griff bekommen? Mal rückt hier eine Ecke hervor, mal tut sich da ein Hohlraum auf - sollten Stillleben nicht eigentlich still sein? 

Riederer sagt, auf der Leinwand, da müsse alles stimmen. Wenn schon Chaos außen rum, dann solle wenigstens hier eine gewisse Ordnung herrschen. Sie brauche diesen Halt der Konturen. Doch sind es nicht nur Konturen und Farbflächen, die stimmen müssen, es braucht auch eine Ordnung der Gedanken, eine Reduktion der Wahrnehmung, die dem Betrachter ebenso abverlangt wird. Er muss sich konzentrieren, sein Sehen und seine Empfindung ernst nehmen, was erst in einem Innehalten gelingen kann, denn er steht nun mal nicht vor Bildern, die sich erzählen lassen. Antonia Riederer sagt, sie wolle nicht tagesaktuell sein, keine Kunst machen, die zwar eine Zeitaussage habe aber in zehn Jahren niemanden mehr interessiere. Stattdessen macht sie das, was sie selbst interessiert und setzt einer Zapping-Gesellschaft anonymisierte Landschaften, Köpfe und Gefäße vor. Auch eine Aussage.

Marlene Gölz, Kunsthistorikerin (Mai 2015)

 

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Robert Trsek „Genauigkeit ist nicht Wahrheit“

In der Betrachtung eines Bildes von Rubens versunken, entstand vor Jahren in Brüssel ein Gespräch, mit dem ehemaligen Rektor der Linzer Kunstuniversität Hannes Haybäck, über grundsätzliche Möglichkeiten als Maler zu einem wahrhaftigen Bild zu gelangen. Das Bild, es stellte einen Stall mit Tieren dar, war scheinbar vor der Realität gemalt, jedoch stimmte das nicht ganz. Rubens hat seine Bilder offensichtlich imaginiert, mit dem ganzen Werkstattwissen der damaligen Tradition. Das Bild ist vom formalen Standpunkt unglaublich gebaut, konstruiert. Es ist überliefert, dass Rubens erst, wenn bestimmte Stellen nicht funktionierten, dafür Naturstudien anfertigte um das gestalterische Problem zu lösen.
An der Linzer Kunstuniversität war es üblich vom Naturstudium auszugehen um bildnerische Einsicht in formale Zusammenhänge in der Fläche zu gewinnen. Um zu einem formalen Verständnis von Bild zu kommen, musste der Naturalismus überwunden werden, und da waren die ganzen Probleme und Missverständnisse des Studiums enthalten. Wir überlegten, ob aus der Zeit heraus, für die Studierenden es nicht einfacher wäre, nicht von der Natur, sondern von den Grundelementen der Gestaltung, wie Punkt Linie, Fläche, Farbe, Geometrie, Proportion usw., den Ausgang der Lehre zu nehmen; nach damaligen Verständnis, sich auf das Moderne, Ungegenständliche zu beziehen. Aber auch, wenn man hier den Ausgangspunkt setze, war in diesem Fall die Gefahr, in einem oberflächlichen abstrakten Dekor zu landen, wovor Kandinsky die russischen Suprematisten gewarnt hat. Egal wo der Beginn gesetzt wird, die Wahrhaftigkeit, Weltgehalt in Bild zu verwandeln, verlangt eine persönliche Einsicht, wie die Natur, die Welt in der wir uns befinden und das Abstrakte, die gestalterischen Mittel, sich ineinander verschränken um als Weltgehalt Bild zu werden. Das ist ein altes großes Thema in der Malerei, die große Form.
Um dieses Thema kommt, wie die wichtigen Werke der Malerei zeigen, kein bildender Künstler, Künstlerin, herum. Antonia Riederer hat nach intensivem Naturstudium diese ganze Problematik erkannt. Die Künstlerin ist in diesem Sinne in jedem Werk mit dem Ursprung des Werkes konfrontiert und stellt sich ihm auf ihre Weise. Henry Matisse meinte einmal in einem Radiointerview, Genauigkeit ist nicht Wahrheit, und diese Wahrheit im Bildwerk ist es, was das Wollen dieser Künstlerin antreibt. Sie hat sich vom optischen Eindruck der Welt, dem Geschehen auf der Fläche zugewandt. Riederer arbeitet mit großen Farbflächen, großzügiger Figuration, bindet wie Beckmann das Schwarz als Farbe ein und ringt um den großen Wurf. Dabei ist ihr klar, dass jede Kreation mit ihrer Realität zu tun hat, der Inneren wie Äußeren. Die Arbeiten, welche so leicht daherkommen sind zum Teil schwer erarbeitet, vorbereitet.
Ganz im klassischen Sinne, durch Studien aufbereitet. Und doch, in letzter Konsequenz, sind es, auch vor der Natur, imaginierte Welten, entstanden aus einem aufmerksamen Blick auf die Welt, ihrer Schönheit, Hässlichkeit, Zerrissenheit, auch des Menschen. Antonia Riederer ist eingebettet in ihr soziales Umfeld, Familie, Kinder und Landschaft, und bezieht daraus ihre Einsichten für ihre Malerei. Diese, leicht missverständliche Abwesenheit der großen Welt, der Stadt, ermöglicht ihr eine besondere Konzentration auf ihre Kunst. Großes, Interessantes geschieht selten in den wichtigen Zentren, wie die Philosophie, Wissenschaft oder die Kunst uns lehrt, dort wird sie Gesellschaftlich verarbeitet.
Spannend in dem Werk von Antonia Riederer ist für mich auch dieses Menschenbild an dem sie künstlerisch arbeitet. Es verlangt Mut, sich dabei nicht auf heute gängige Hilfsmittel wie Film, Foto zu verlassen, sondern, auch wenn es vordergründig nicht diesen Eindruck erweckt, ganz banal vom Akt, von der Figur her die Bilder zu entwickeln. Dasselbe gilt für die Landschaften, Stillleben. Die Malerin ist sich der Kraft der Farbe, der Fläche, des Hell-Dunkel und der Linie bewusst und es genügt ihr als Werkzeug, auch wenn die Malerei immer wieder totgesagt, oder verdrängt wird. „Mit Hilfe der Malerei wird das mir Wesentliche sichtbar gemacht,“ sagt sie selbst und weiter: „Das Gesehene oder Erdachte wird durch die Abstraktion ins Bildhafte transportiert. Somit wird der Gegenstand nicht verdrängt – er wird verwandelt. Es entwickelt sich eine eigene Formensprache, die meiner Sichtweise entspricht.“
Was Antonia Riederer hier beschreibt, ist der Wille, im klassischen Sinne, als heutiger Mensch, als zeitgenössische Künstlerin ein Bild von Welt zu finden.
Wir besitzen in diesem Sinne nie die Kunst, auch nicht die Alte, sondern jede Generation muss dieses innere Bild von Welt neu erzeugen. Diese andere Art von Wahrheit, welche Matisse meint, taucht in ihren Werken auf und damit arbeitet die Malerin auf ihre Weise genau daran, am zeitgenössischen Bild der Welt.

Robert Trsek, Galerie Kontur Wien